Nervenzellen laufen überall unter der Haut entlang, sonst könnte man dort keinen Schmerz empfinden oder hätte keinen Tastsinn. Gefährlich wird es aber erst bei großen Nervensträngen (Ganglion bzw. Nucleus). Die sollte man auf keinen Fall verletzen. Unterhalb der Lippe brauchst du dir keine Sorgen machen, dass dort diese großen Ansammlungen von Nervenzellen sind. Verletzungen kleiner, relativ unwichtiger Nervenzellen kann der menschliche Körper kompensieren.
Wenn dein Kumpel Erfahrung hat, dann hat er hoffentlich auch die geeignete Ausrüstung (z.B. einen Heißluftsterilisator oder einen Autoklav, bzw. steril verpackte Ausrüstung). Ein Lippenpiercing ist vom Schwierigkeitsgrad relativ leicht zu stechen. Wenn man aber mit unsterilem Schmuck oder einer unsterilen Braunüle arbeitet, kann es leicht zu einer fiesen Entzündungsreaktion kommen (Schmerzen, Eiter, Schwellung, Rötung). Natürlich sollte auch die verwendete Klemme steril sein, insbesondere, wenn die schon bei anderen Menschen benutzt wurde (Infektionsgefahr). Ein Lippenpiercing kann man vermutlich auch ohne Klemme stechen, wenn man einigermaßen geschickt ist.
Vielleicht solltest du einfach 40 Euro in ein professionelles Piercing investieren, dann kannst du normalerweise sicher sein, dass das Piercing richtig platziert wird und steril gearbeitet wird. Außerdem gibts dann auch qualifizierte Tips zur Nachsorge und oft auch kürzeren Schmuck nachdem das Piercing verheilt ist. Der Erstschmuck ist ja immer etwas länger, da es unmittelbar nach dem Stechen zu einer Schwellung kommt.
Wenn du sofort oder später einen Ring (Ball Closure Ring) tragen möchtest, sollte das Piercing nicht zu weit von der Lippe (dem roten Bereich) entfernt sein, da man sonst Ringe mit einem riesigen Durchmesser verwenden müsste. Ringe im Lippenbereich haben gewöhnlich eine Stärke von 1,6mm.
Noch ein Tipp: Falls du einen Stecker (Labret Stud) tragen möchtest, solltest du dir vor dem Piercen überlegen, welche Stärke (Dicke des Stabes) der Schmuck haben soll. 1,2mm Labret Studs (meist mit 1,4mm Braunülen gestochen) hinterlassen kleine Löcher und Narben. Dafür gibt es aber auch nur eine relativ geringe Auswahl an verschiedenen Kugeln und Kugelgrößen. 1,6mm (meist mit 1,7mm Braunülen gestochen) Labret Studs machen kaum größere Löcher, aber bieten eine riesige Schmuckauswahl.