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Reduktion des Schmerzempfindens beim Piercen



  1. dude schreibt...


    Piercen ist mehr oder weniger mit Schmerzen verbunden. Das jeweilige Schmerzempfinden ist dabei individuell sehr unterschiedlich.
    In diesem Thread möchte ich eine Diskussion zum Thema Schmerzreduktion anregen.
    Grundsätzlich kann man jedes Piercing ohne Methoden der Schmerzreduktion durchführen. Es ist dann eben nicht unbedingt angenehm.
    Ich mach mal den Anfang und nenne ein paar Methoden zur Schmerzreduktion, die mir bekannt sind:

    A. Entspannungstechniken

    1. Atemkontrolle
    Kräftiges Ausatmen führt zu einer kurzen Entspannung und damit kurzzeitig zu einer besseren Schmerztoleranz. Ich vermute, dass der Entspannungseffekt durch die muskuläre Entspannung der Oberkörpermuskulatur ausgelöst wird.
    Diese Methode funktioniert nur für wenige Sekunden, beispielsweise während die Braunüle durch das Gewebe gedrückt wird. Diese einfache Methode ist weit verbreitet und kann tatsächliche ein wenig den empfundenen Schmerz reduzieren.
    A. Kräftig einatmen
    B. Ausatmen und gleichzeitiges Durchstechen des Gewebes.

    2. Progressive Muskelentspannung
    Dies ist ein relativ leicht zu erlernendes Entspannungsverfahren, dass auf der Wirkung von Muskelentspannungen basiert. Das Verfahren eignet sich, um gelassener mit der bevorstehenden Schmerzsituation umzugehen. Empfiehlt sich in meinen Augen besonders für Menschen, die zu Panikattacken unter Stress neigen. Das Ausmaß der eigentlichen Schmerzreduktion im Moment des Piercens dürfte jedoch nicht viel größer sein als bei der Atemkontrolle.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Progressive_Muskelentspannung

    3. Autogenes Training
    Dieses autosuggestive Entspannungsverfahren ist relativ schwierig zu erlernen und braucht sehr viel Übung. Wer diese Verfahren sehr gut beherrscht kann den Schmerz beim Piercen größtenteils ausblenden.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Autogenes_Training

    B. Medikamentöse Methoden

    1. Lidocain Salben, Sprays und Pflaster
    Die bekannteste und am häufigsten benutzte medikamentöse Schmerzreduktion beim Piercen ist die Verwendung von EMLA Pflastern oder EMLA Salbe. Diese auf Lidocain basierende Salbe/Pflaster werden ca. 1 Stunde vor dem Piercen aufgetragen. Der Wirkstoff dringt durch die Hautoberfläche in die naheligen Zellen und bewirkt eine leichte örtliche Betäubung. Das EMLA Produkte können rezeptfrei in Apotheken gekauft werden. Bei der Verwendung der Salbe sollte man entweder spezielle Pflaster (liegen teilweise dabei) oder einen Okklusivverband verwenden (nicht nötig bei Schleimhäuten). Bei der Verwendung normaler Pflaster ist die Wirkung der Salbe wesentlich schwächer. http://www.springerlink.com/content/j3573235g3m47mp4/
    Die EMLA Produkte sind relativ teuer. Die Wirkung ist insgesamt eher schwach, aber besser als nichts.
    Lidocain Sprays sind oft rezeptfrei und werden soweit ich weiß hauptsächlich zur lokalen Betäubung von Schleimhäuten benutzt (Mund, evt. auch Teile der Genitalien).

    2. Infiltrationsanästhesie
    Diese Methode darf in Deutschland nur von Personen mit einer medizinischen Ausbildung und einer Zusatzqualifikation angewendet werden. Soweit ich weiß muß ein Arzt die Infiltration anordnen.
    Hierbei handelt es sich um die gewöhnliche lokale Anästhesie, wie man sie vom Arzt kennt. Lidocain oder eine Mischung aus Lidocain und anderen Hilfsstoffen wird mit einer Kanüle ins Gewebe gespritzt und verbreitet sich dann regional. Hierzu wird die Nadel in einem flachen Winkel angesetzt, eingestochen ein wenig wieder herausgezogen, um zu sehen, ob ein Blutgefäß getroffen wurde. Danach wird der Wirkstoff ins Gewebe gespritzt (eventuell mehrere Durchgänge). Sollte Lidocain direkt in die Blutbahn gespritzt werden, kann es zu lebensgefährlichen Herzrythmusstörungen kommen. Anatomische und medizinische Kenntnisse sind daher unbedingt nötig.
    Einige Piercer benutzen soweit ich weiß diese effektive Methode zur Schmerzausschaltung. Der günstige Wirkstoff Lidocain lässt sich bis zu einer Konzentration von 1% rezeptfrei in Apotheken kaufen. Spritzen und Kanülen kann auch jeder für ein paar Cent erwerben. Man kann davon ausgehen, dass fast alle Piercer, die eine derartige lokale Betäubung anbieten illegal handeln.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Infiltrationsan%C3%A4sthesie

    C. Schmerzdesensibilisierung durch Reizstrom

    Man kann den Körper mit einer Schmerzdesensibilisierung durch Reizstrom auf Schmerzen vorbereiten und damit effektiv die eigene Schmerztoleranz für einen bestimmten Zeitraum erhöhen. Medizinische Reizstromgeräte gibt es ab ca. 30 Euro. Der Reizstrom wird mit Hilfe von Elektroden, die auf die Haut geklebt werden, übertragen. Diese Methode wird vor allem von Menschen mit chronischen Schmerzen regelmäßig angewendet. Ob diese Methode auch zur Schmerzreduktion bei Piercings geeignet ist, kann ich nicht sagen. Sehr wahrscheinlich dürfte es funktionieren. Reizstromgeräte dürfen nicht zusammen mit Herzschrittmachern benutzt werden.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Reizstrom

    D. Alternative Verfahren

    Soweit ich weiß gibt es noch ein paar seltene alternative Verfahren zur Reduktion der Schmerztoleranz, die aber keine allgemeine Anwendung beim Piercen finden. Diese Methoden kenne ich nur von Erzählungen.
    Man kann beispielsweise einen Finger über eine brennende Kerze halten. Das Schmerzempfinden im Finger bereitet den Körper auf Schmerzen vor und soll angeblich die Schmerztoleranz kurzzeitig verbessern.
    Bekannte aus der SM Szene haben mir berichtet, dass man sich auch durch manuelle Schmerzzufügung (Schläge etc.) an Schmerzen gewöhnen und dadurch das Schmerzniveau kontinuierlich erhöhen kann. Im Körper werden soweit ich weiss dann Endorphine ausgeschüttet, die den gesamten Körper in einen Erregungszustand versetzen und dadurch das Schmerzempfinden deutlich verringern. Für das Piercen könnte diese Methode problematisch sein, wenn die Durchblutung an der Stelle des geplanten Piercings erhöht wird. Außerdem fände ich es seltsam, wenn sich Kunden in einem Piercingstudio erstmal den Hintern verhauen lassen würden :)

    Vielleicht kennt jemand von euch noch wirksame Methoden zur Schmerzreduktion.

    Dieser Beitrag ist 1 Jahr alt

  1. dude schreibt...


    Kleine Korrektur zur Infiltration:
    Die Nadel muß nicht flach angesetzt werden und sie wird zwischendurch nicht wieder ein Stück herausgezogen. Ich hab mich da nochmal bei einem Fachmann schlau gemacht.
    Man sticht zunächst ins Fettgewebe unmittelbar unter die Haut (meist mit einer grauen 27G Kanüle) und spritzt ein wenig Lidocain ins Gewebe. Danach wird die Nadel weiter ins Gewebe geführt um Wirkstoff einzubringen. Gleichzeitig wird ein Wenig an der Spritze (beweglicher Teil) gezogen, um zu sehen ob ein Blutgefäß beim Vorantreiben der Nadel getroffen wurde. Kommt Blut in die Spritze, zeigt dies, dass man ein derartiges Gefäß getroffen hat und man dort kein Lidocain einspritzen darf. Grundsätzlich muß man versuchen, den Wirkstoff einigermaßen gut zu verteilen, damit eine flächige Betäubung erzielt wird. Hierzu kann man die Nadel zwischendurch auch schon mal leicht schräg halten, damit möglicht viel Gewebe erreicht wird. Wohin man die Nadel sticht hängt natürlich von der beabsichtigten Wirkung ab. Bei größeren Flächen muß man daher diesen Prozess wiederholen. Für ein Piercing wird es vermutlich reichen, den zukünftigen Stichkanal mit ca. 2ml Lidocain 1% zu betäuben.
    Aber wie ich schon erwähnte ist dieses Verfahren nur für speziell ausgebildetes medizinisches Personal zugelassen.

    Dieser Beitrag ist 1 Jahr alt

  1. Hans3 schreibt...


    In so gut wie jedem Piercing- Forum und jedem Piercingladen (allumfassend und kuhl- fortschrittlich gesagt heißt das heutzutage „bodymod- Studio) ist das Thema ein Dauerbrenner. Beliebteste bis zum Gehtnichtmehr gestellte Frage ist natürlich „Tut das weh!?“ mit allen ihren Erweiterungen und Variationen ...
    Fast nirgends findet man / frau aber tiefergehende brauchbare Antworten. (Standardkommentare dazu sind: „Das ist individuell verschieden / kann man nicht so genau sagen / hängt von der Tagesverfassung und von ... ab und so weiter.)
    Hier ist nun mal eine erfreuliche Ausnahme, die ich ergänzen will. Ich kopiere dazu der Einfachkeit halber einen älteren und später ergänzten („abbgede-iteten“) Artikel.
    Wer lesefest ist (und bereit als auch fähig mitzudenken), der kann sich nun darüber hermachen; wem es zuviel ist, der möge es bleiben lassen und darf mich nachher schmähen.

    Betäubung / SCHMERZ(Schmerzvermeidung / Schmerzlinderung) beim und nach dem Piercen
    (http://www.wildcat.de/index.php?view=0c-articleshow&id=652 , vom Okt. 2002).

    AUFBAU des Artikels:
    Nicht wegzudiskutierende Fakten.
    Zusammenhang zwischen Beweggrund für ein Piercing und Verzicht auf Betäubung.
    Persönliche Haltung zum Thema und zum Piercen grundsätzlich (Verweigerung eines Piercings), eigene Erfahrungen (auch bezüglich Toleranz).
    Für gut befundener Beitrag aus dem Internet.
    Bezug zu SM.
    Eisbeutel / kalte Umschläge
    Eisspray
    Internetbeitrag „Bitte einmal Vollnarkose!“
    Emla
    Lidocain

    Ein Artikel in einer Community hat so viel Reaktionen (Kommentare) bewirkt wie schon lange kein anderer. Begründungen und Gegenargumente wurden vorgebracht, einige wenige sachlich, etliche mehr oder weniger emotional oder ironisch; dabei wurden teilweise (unabsichtlich oder bewußt) verschiedene Aspekte wild durcheinandergeworfen und vorwiegend negative Wertungen abgegeben.
    Ich halte vorerst mal leidenschaftslos und ohne jegliche persönliche Stellungnahme die Fakten fest:
    . 1) Jemand der bi, schwul oder lesbisch ist, der SM positiv sieht und darin Erfüllung findet, ist allein deshalb nicht zwingend „krank“. Alle die hetero sind und am bewährten Blümchensex Gefallen finden, sind nur aus diesem Grund nicht zwingend fade, verklemmte, phantasielose Dumpfbacken!
    . 2) Es gibt vorwiegend drei Möglichkeiten der Betäubung (ohne nun einen Produktnamen zu nennen): Spritze, Salbe, Spray.
    . 3) Das Schmerzempfinden ist von Mensch zu Mensch verschieden. Auch dasselbe Individuum kann exakt denselben Schmerz (Dauer, Intensität sind gleich) aus verschiedenen Gründen weniger arg oder heftiger empfinden.
    . 4) Die Schmerzertragefähigkeit ist trainierbar.
    . 5) Ungeeignete Schmerzvermeidungsstrategien (Alkohol- und / oder Drogenkonsum) können ein Piercing erschweren oder gefährlich machen.
    . 6) Die Betäubung bei manchen Salben ist höchst zweifelhaft, ihre Berechtigung basiert vorwiegend auf dem Placebo- Effekt ( = z. B. Tablette aus Mehl für oder gegen irgendetwas - die erhoffte Wirkung tritt tatsächlich, wenn auch oft nur vorübergehend, ein): ich habe etwas zum Einschmieren bekommen, also bilde ich mir ein, daß es helfen wird und bin somit ruhig oder zumindest weniger aufgeregt.
    . 7) Eine Spritze an oder in die Nähe der zu betäubenden Stelle tut oft mehr weh als das Piercen selbst.
    . 8) Das Eintauchen der Nadel vor dem Stich in ein gut verträgliches Gleitmittel war bis vor dem Inkrafttreten des österreichischen Piercing- Gesetzes zuweilen üblich.
    . 9) Die Betäubung mit einer Salbe, die tatsächlich geringfügig wirksam (dafür relativ teuer) ist, bedingt eine beträchtliche Verlängerung des Piercingvorganges. Dies kann als sehr willkommen empfunden werden (Lokalbesuch mit Kaffee und Kuchen mit dem Piercer, Einstimmung in Ruhe) oder als höchst unangenehm.
    . 10) In Österreich ist dem Piercer, der nicht zugleich Arzt ist, die Betäubungsinjektion nicht gestattet !
    . 11) Es ist zugleich Tatsache, dass piercende Ärzte in ihren in der Regel hygienisch einwandfrei ausgestatteten Ordinationen mit großen medizinischen Möglichkeiten (Betäubung, Wundversorgung, Ohnmacht ...) oft erschreckend wenig Ahnung von der Materie haben (historisch- ethnologische Kenntnisse; Beschäftigung mit dem soziologisch- psychologischen Bereich; Stichtechnik, bzw. individuelles Anlegen des Piercings, weil Menschen eben verschieden gebaut sind; vorauseilende Vorstellung, wie der Schmuck nach der Anbringung sitzen wird und ob er zum Charakter / Typ des Trägers / der Trägerin paßt.)
    . 12) Jemand, der bewußt auf eine Betäubung verzichtet, ist nicht zwangsläufig ein Anhänger von SM.
    . 13) Es ist leicht verständlich und natürlich auch absolut legitim, daß jemand den Wunsch hat, möglichst schmerzfrei gepierct zu werden.
    . 14) Die Entscheidung, ob tatsächlich eine Betäubung erfolgt, obliegt dem Piercer. Der darf bei einer Ablehnung jedoch nicht beleidigt sein, wenn sich der Kunde den Schmuck wo anders besorgt. Ein korrekter Piercer wird sogar eine Adresse empfehlen, wo betäubt UND einwandfrei gearbeitet wird.
    . 15) Erfahrungsgemäß und laut statistisch- wissenschaftlichen Untersuchungen haben 97 % der Leute - auch in der Community - in der Tat keine Ahnung, was SM wirklich bedeutet. Interessant und fast pervers zugleich daran ist, daß im Sample auch etliche Befragte waren die angegeben hatten, einschlägige Klubs zu besuchen oder / und selbst privat als Sub oder Dom diese Art der Erotik zu praktizieren.
    . 16) In vielen Fällen, in denen das „Piercing- Opfer“ auf eine Betäubung (oder Scheinbetäubung!) verzichtet, bewirkt das eine innigere Beziehung zum ausgesuchten Piercing und zum eigenen Körper, als Folge dessen manchmal auch ein größeres Vertrauen zu sich selbst und damit innere Gelassenheit und seelische Stärke. Das muß aber nicht so sein !
    . 17) Es ist äußerst selten, daß jemand jedes Piercing gleich (wenig schmerzhaft) empfindet, keinen Unterschied feststellt. Wer dies behauptet, leugnet fast immer Tatsachen. Ein Barbell in der Brustspitze, einer in der Eichel (Apadravya oder Ampallang oder Dydoe) wirkt in den paar Sekunden der Entstehung weit intensiver als ein Lippenbändchenpiercing, dessen Montage wahrscheinlich sogar längere Zeit beansprucht.
    . 18) Selbstverständlich kann man / frau dringend benötigte „Kicks“ oder Selbstbestätigungen und Ego- Stärkungen auf verschiedenste Weise holen: Autorennen auf der Bundesstraße bei Gegenverkehr, Wettsaufen - wer länger steht, (Extrem)Piercings, Wildwasserfahren ohne Helm und Weste, Klettern ohne Seil, Fallschirmspringen ohne Schirm ... Entscheidend ist aber immer, warum ich gerade an diesem Tag bei diesen Bedingungen in dieser Verfassung diese bestimmte Route ohne Seil gehe, warum ich eben dieses Pierc haben will.
    . 19) Die Motive für ein Pierc sind nun mal individuell verschieden - diese Tatsache kann durch noch so viel Zustimmung und noch so heftige Gegenmeinungen nicht wegdiskutiert werden. Für den Einzelnen ist natürlich jeder der möglichen Gründe (falls es nur einen gibt) gleich entscheidend für die Verwirklichung.
    . 20) Beim Vorhandensein von zwei oder mehr Gründen ist fast immer eine Reihung (was mehr wiegt) vorhanden. Das Hauptmotiv hat größten Einfluß auf die Entscheidung, ob eine Betäubung gewünscht wird.

    Die Motive / Beweggründe für ein Piercing sind, auch wenn es viele Leser nicht wahrhaben wollen, sehr vielfältig (es handelt sich hier nur um eine Auswahl - das Thema ist in einem eigenen Artikel mit Quellenangabe ziemlich ausführlich behandelt).
    . 1) Modetrend - das Piercing als reine Schmuckfunktion (Variante: Angst / „Gruppenzwang“: als Feigling dazustehen, nicht „dazu gehören“, nicht mitreden können. Die Zigarette oder das Piercing als „Eintrittspreis“.)
    . 2) Dummheit und / oder Geltungsbedürfnis bzw. Tapferkeitsbeweis : dieses Piercing ist selten, aber technisch (leicht) möglich - ist schon gemacht, auch wenn mir klar ist, daß es gesundheitlich bedenklich ist und / oder ich ziemlich sicher weiß, daß ich es verlieren werde (weil ich höchstwahrscheinlich irgendwann daran hängenbleiben und es mir so selbst herausreißen werde; weil es vorher schon ohnehin herauswachsen wird.) Indirekte Aufforderung nach Lob und Streicheleinheiten (denn jeder Mensch möchte irgendwie geliebt oder zumindest respektiert / bewundert werden).
    . 3) Schockieren wollen: „die Gesellschaft“, die Leute provozieren und schrecken wollen; auffallen wollen, das „Anderssein“ betonen wollen - zum Teil eng verwandt mit der Befriedigung des Geltungsbedürfnisses.
    Gemäßigte Variante: Demonstration der Individualität.
    . 4) Hoffnung auf mehr eigene Lust beim Sex. Variante: Erwartung von (mehr) Erfolg und Ansehen beim Partner. Auch hier spielt der Wunsch nach Anerkennung eine entscheidende Rolle.
    . 5) Ausdruck für eine bestimmte Gesinnungszugehörigkeit / Lebenshaltung / Religion; der Akt des Piercens gleichsam als „moderne rituelle Handlung “ ; durch ein Symbol auf etwas hinweisen wollen.
    . 6) Zeichen für bestimmten gesellschaftlichen Status (Sozialrang); für eine bestimmte Lebensphase (Jungfrau, Aufnahme in den Kreis der Männer, verheiratet, Kinder ...); für den Stamm, die Sippe ...
    . 7) Wunsch nach einem ganz bestimmten Pierc mit (teilweise langer) Beschäftigung / gründlicher Information schon vorher; intensive “seelische Vorbereitung“, Inkaufnahme aller Konsequenzen (auch der etwaigen gesellschaftlichen Nachteile), völlige Identifikation mit dem ausgesuchten Piercing, gemäßigter Stolz und Freude es verwirklicht zu haben. Variante: das Piercing als Fetisch.
    . 8) Piercings im Rahmen einer SM- Begegnung, teilweise auch ohne Einfädeln von Schmuck, also ohne Kanülenschlauch beziehungsweise ohne Hohlnadel.
    . 9) Aus Liebe, zumindest aus tiefer Zuneigung: um dem Partner / der Partnerin mehr Freude zu bereiten. (Die Schmuckfunktion, der eigene Lustgewinn und die vom geliebten Mädchen / lover doppelt zurückgeschenkte Wonne sind in diesem Falle ein angenehmer „Nebeneffekt“. Entscheidend aber ist die eigene Liebesfähigkeit.) Die Stecker, Ringe und vor allem Kugeln sowie etwaige Zusatzutensilien (Gewichte, Kuscheligel, Ketterln ...) sind sorgfältig und zweckmäßig ausgesucht.

    Ich habe bis jetzt ohne Betäubung gepierct und werde es weiterhin so halten und die Interessenten, die sich davor schrecken, weiterschicken. Und weil ich ja nicht vom Piercen leben muß, kann ich es mir überdies leisten ehrlich zu sein und VORHER zu sagen, womit man / frau keine Freude haben wird (und welches Piercing die Tendenz zum Herauswachsen hat).
    Ich lehne also zusätzlich das Piercen immer ab, wo die Gründe unter 2 zutreffen.
    Oft verweigere ich bei 1 und 3, manchmal bei 4. Ich erlaube mir die Freiheit und Anmaßung, einen (20 mm) Septumring in einem hübschen Mädchengesicht abzulehnen, weil ICH mich bei dieser Wunscherfüllung nicht wohl fühle. Der Kunde ist bei mir NICHT König.
    Die Fälle 5 und 7 neigen dazu (bzw. erklären sich nach einem Gespräch fast immer dazu bereit), ihr Wunschpiercing ohne Betäubung zu bekommen.
    Die (gar nicht so seltene) Gruppe 8 zeigt diese Bereitschaft noch ausgeprägter, die Gruppe 8- Zugehörigen kommen ohnehin nicht auf diese Idee. Gruppe 6- Vertreter sind mir bisher nicht als noch Ungepiercte begegnet, es gibt in Europa fast keine mehr (Innuit ? Schweiz / Ohrring der Appenzeller Männer ? Island ? )
    . * * * Was mit dem Thema Betäubung und Schmerz nun nichts zu tun hat, wohl aber mit Verweigerung des Piercings: Leute unter 16 Jahren ohne Einverständniserklärung der Eltern haben bei mir keine Chance, obwohl sich in Österreich Jugendliche ab 14 seit Juli 2001 (neben anderen erweiterten Rechten, ohne deswegen strenger in die Pficht genommen zu werden) auch gegen den Wunsch der Eltern bespicken und beringen lassen dürfen. Jedoch für´ s Tätowieren gilt das nicht. Der Gesetzgeber verbietet dies, weil „echte Tätowierungen“ irreversibel - nicht wieder rückgängig machbar - sind.
    Ich habe aber auch schon je einmal bei einem zierlichen 16jährigen / 17jährigen Mädchen ein Nabel- Pierc abgelehnt und anderes vorgeschlagen, weil die einfach noch nicht „ausgewachsen“ genug waren. Eines der Girls hat sich dann seine Banane wo anders beschafft.

    Einige Piercings, die ich nicht mehr habe, setzte ich mir selbst (unter anderem PA ) oder ließ sie montieren (u.a. Zunge, weil es einfach bequemer ist, nicht selbst vor dem Spiegel herumhantieren zu müssen), um selbst die Erfahrung zu machen. Mir ist schon klar, daß jeder Mensch ein anderes Schmerzempfinden hat und es daher schwierig ist, eine für alle allgemeingültige Aussage zu finden.

    Aus zwei der frühen Internet- Ordner, die mir mal jemand geschickt hat und die auf meiner Festplatte herumkugeln, deren Inhalte aber hier gut dazupassen (ein Text adaptiert = teilweise gekürzt und teilweise ergänzt, sprachlich verbessert, Autor leider unbekannt; zweiter Verfasser angegeben):
    Aber grundsätzlich ist es die gleiche Geschichte wie mit dem Zahnarzt: man / frau hat mehr Angst davor, als es meistens nötig gewesen wäre. Manche spüren nur einen kurzen „Piekser“, andere wiederum während des Piercingvorgangs (Fixieren der zu piercenden Stelle, Stich, Einfädeln des Schmucks) mehr. Zahlreiche Schmuckträger - „Neulinge“ als auch „Erfahrene“ mit bereits mehreren Piercings - behaupten, daß der Gebrauch der Klemm- Pinzette (Lochzange), etwa beim Nabel- oder Zungenpiercing, das weitaus Unangenehmste sei, „lästiger“ als alles andere zusammen!
    Das individuelle Schmerzempfinden hängt wesentlich davon ab, wie du zu deinem neuen Piercing stehst. Wenn du dich vor lauter Angst verkrampfst, wird es sicher mehr weh tun, aber wenn du dich auf deinen neuen Körperschmuck so richtig freust, wird das kurze Schmerzerlebnis deinem Vorhaben sicherlich den perfekten Abschluß verleihen. (Und manche, wie schon kurz erwähnt, genießen es sogar ...)
    Bei einem guten Piercer dauert der Stichvorgang nur ein bis fünf Sekunden (zB. Ohrläppchen - Ampallang), sodaß der Schmerz nur von kurzer Dauer sein wird. Schmerz spielt sich auch im Kopf ab. Die geistige Vorbereitung ist daher mitentscheidend und kann helfen - vor allem denjenigen, bei denen die Entscheidung für ein Piercing lange gereift ist und die bereit sind, dafür auch kurzen Schmerz in Kauf zu nehmen. Auf der anderen Seite krümmt und windet sich so mancher Held, gerade so, als ob die Nadeln im Eingeweide wühlten. Die Herren der Schöpfung scheinen mir zuweilen die weniger tapferen zu sein. Es brauchen auch die händchenhaltenden Begleiter öfter eine Labung als tröstende Mädchen.
    * Schlaumeier, die sich dem erwarteteten Schmerz durch Einnahme bewußtseinserweiternder Produkte oder Inhalieren von Kräutern zu entziehen versuchen, erleben das genaue Gegenteil. Von der Gefahr eines Kreislaufkollapses abgesehen, erhöht sich normalerweise die Empfindlichkeit der Nerven. Also noch mehr „Autsch“! Und Alkoholgenuß führt wegen der Erweiterung der Blutgefäße außerdem zu stärkerer Blutung. Leute mit Promille (schon erlebt: von den Saufkumpanen wegen einer Wette angeschleppt) werden von mir ohne Piercing in´ s Bett geschickt.

    * * * Einschub von Michael, gekürzt und korrigiert.
    „Tut das eigentlich weh? Das würd´ ich nie aushalten!“ „Ganz fürchterlich! Die meisten werden vor Schmerzen bewußtlos, wenn sie nicht rechtzeitig aufspringen und davonlaufen“, antworte ich dann meistens mit mehr oder weniger breitem Grinsen. Aber wie weh tut es denn nun wirklich?
    Die Stelle, an der das Piercing auf dem Körper angebracht wird, ist nur in wenigen Fällen maßgeblich entscheidend (Eichel, Ohrknorpel, Brustspitze, Septum). Die Frage der Plazierung sollte sowieso anderen Kriterien unterliegen. Aussagen darüber, wo' s denn nun wie weh tut, gehen weit auseinander und werden oft von denen gemacht, die dort überhaupt nicht gepierct sind. Befragt man unsere total zugenagelten Brüder und Schwestern, hilft das auch nicht weiter, weil die über einen langen Zeitraum verteilten Erfahrungen in der Erinnerung verschwimmen; zudem beeinflussen unzählige Faktoren die physische und psychische (Tages)Verfassung des Opfers.
    Wer sich von der Erwartung etwaiger Schmerzen abschrecken läßt, hat den Entschluß, sich piercen zu lassen, ohnehin nicht reiflich durchdacht und sollte es lieber bleiben lassen. Der Schmerz ist schnell vergessen, das Wohlgefallen am Schmuck - ihn selbst zu sehen und zu zeigen - bleibt, im Idealfall für immer. (Michael)
    Ergänzt von mir: die berechtigte Aussicht, damit nicht nur sich selbst, sondern auch einem geliebten Menschen Freude zu schenken, mag die letzten Bedenken zerstreuen ... (Hans)

    * * * Ich komme zum vorletzten Punkt des Themenbereiches. Angenommen, der / die Autor(in) des besagten Artikels „Warum betäuben?? Wo is der Kick?“) ist tatsächlich praktizierende(r) Sub - rechtfertigt das eine sofortige Assoziation mit „krank“ ! ? Man kann ja auch mit zart- ironischem Lächeln diese vermeintliche Schwäche eines Menschen, die nur ihn und seinen / ihren Partner betrifft und sonst niemanden berührt, aufnehmen - wie einige Beispiele zeigen.
    Die Welt besteht nicht nur aus Realmarcs 12 mm - PAs und 25 mm- Ohrlöchern, aus implantierten Metallplatten, Punchings und dreizehnfärbigen Tattoos. Genau das, was hier in dieser Gemeinschaft viele für sich selbst einfordern, nämlich daß die Umwelt sie vorurteilslos akzeptieren möge, sind sie nicht bereit selbst zu praktizieren: Toleranz mit einem „l“ ! ! Einfache Ohrringträger und sogar Nichtgepiercte haben auch eine Daseinsberechtigung - genauso wie alle aus der „Norm“ fallenden Verwender von Abkürzungen, bekennende Homos, praktizierende SMler oder Mondanbeter. Solange niemandem anderern geschadet wird, ist das wohl die Mindestanforderung an die sattsam geheuchelte Toleranz. (Ein Mitbürger, der den anderen und mir in einem kleinen vom eisigen Wind umbrausten Wartehäuschen der S- Bahn trotz Nichtraucherschildes rücksichtslos und völlig unbeeindruckt von meiner Husterei und den tränenden Augen brutalst die Lunge niederprügelt, richtet mehr Schaden an: er begeht, im Gegensatz zum Piercer oder zum Dom, herzloseste unerwünschte Körperverletzung ! ! Ich weiß, daß mir etliche allein wegen dieser Feststellung mit Genuß eine Minusbewertung auftrotteln werden - aber die werde ich wohl locker aushalten, soll mir nie etwas Ärgeres passieren.)
    Offensichtlich genügt aber bei einigen Mitgliedern die bloße Tatsache des Andersseins, um die Feindbild- Reaktion auszulösen und jemanden als verrückt, sprachlich unfähig, krank, arrogant ... abzukanzeln. Aber man / frau muß ja nicht reden mit jemandem, der abkürzt oder Piercings ohne Schmuckanbringung mag!
    Im Dschädd wurde mal ein Gast, der auf die entsprechende Frage zugegeben hatte, keine Piercings und Tätowierungen zu tragen, aggressiv gefragt, warum er / sie dann überhaupt da sei - die Körperschmucklosigkeit war in diesem Fall die Abweichung von der gewohnten Norm. Es ist bedrückend, wie niedrig die Toleranzschwelle zuweilen liegt.
    * * * In die Situation einer Sub mag sich jede(r) mit verächtlichen oder neidvollen, braven oder wilden Phantasien hineindenken - ich versuche mal kurz die gegenteilige Position zu erklären. Ob ich damit Ahnungslosigkeit und Vorurteile mindern kann?
    Angenommen, mal nur so angenommen, nicht Susi, meine Hausspinne, sitzt mir zwischen dem Hydrokultur- Blumenfenster und dem Aquarium gegenüber. Susi sei also nicht die fliegenaussaugende Mitbewohnerin, sonderen ein reales Mädchen, eine „echte“ (verstehende) genießende Sub- Susanne.
    Bevor ich sie fessle: sie muß mir ihre Wehrlosigkeit lauteren Herzens schenken können - sie darf nur noch Angst vor dem Schmerz haben, nicht vor mir ! Und ich muß ihr AUCH bedingungslos vertrauen können!! Wenn sie sich mir gefesselt darbietet, mir ihre geile Angst, ihre Tränen und Schmerzen und Wollust schenkt, so erlangt sie durch ihre totale Hingabe, durch ihr sich mir völliges Ausliefern ZUGLEICH enorme Macht über mich! Ist sie sich dessen bewußt!? Kann sie mit dieser gewaltigen weiblichen Stärke verantwortungsvoll umgehen! Ahnt sie, weiß sie, welch bittere oder köstliche (teilweise noch ungeweckt - brachliegende) frauliche Kraft in ihr schlummert, die dann so oder so hemmungsgslos mir zuteil wird ...
    * Sie weiß jedenfalls, daß ich mich nicht tatsächlich erfreuen kann, wenn eine Frau z.B. nur mitmacht, um mir einen Gefallen zu erweisen oder wenn ein Mädchen lediglich aus Neugier eingestiegen ist und sich beide eigentlich unbehaglich fühlen. Mit anderen Worten: es törnt mich nur an, wenn ich merke, daß mein Gegenüber wirklich bereit ist und meine Geschenke ersehnt und genießt! Das unterscheidet den liebenden Partner vom primitiv prügelnden und stechenden Sadisten. Ersterer sucht keine „devote Sklavin“, sondern ein selbstbewußtes Mädchen /  eine ebensolche in sich ruhende Frau, die zu ihrer Neigung steht und die faszinierende Mischung von wolllüstigem Schmerz    UND unendlicher Zärtlichkeit zu schätzen weiß ....
    Kein Gefasel von „Herr“ und „Meister“, kein idiotisches Wacheln mit einem „Sklavenvertrag“ ! Geduld, Einfühlgsvermögen, liebevoll gespendete köstliche Schmerzen, Ebenbürtigk der Partnerin (Respekt und Achtung) sind gefragt ! Keine gemeingefährlichen schwachsinnig hohen Stöckelschuhe (noch dazu im Bett), keine Helme und Brustschilde mit Dornen / Stacheln; keine Latexverpackungen, bei denen nur die Nasenspitze rausschaut, kein Krankenschwesterhäubchen auf dem Haar oder ein Polizistenkapperl auf dem Kopf und ähnliches Zeugs ...
    * Und nicht ausschließlich, aber besonders NACH dem Lösen der Fesseln:
    Sanft - genießerisch bis erregend - leidenschaftliche Zärtlichkeit empfängt sie nicht nur (wenn sie es mag) durch Dildo, Kugeln und / oder was ihr sonst noch gefällt,
    sondern auch / vor allem durch Fingerspitzen und Zunge (mit oder ohne Piercing) sowie durch den gesamten „Rest“ des Körpers. Das größte Wohlbehagen (ich muß da immer an eine schnurrende Katze denken) wird ihr aber erst zuteil, wenn sie sich verstanden und angenommen spürt - dann erst erlebt sie dieses gewisse gar nicht leicht in Worte zu fassende Gefühl (auch aufgeschlossene, belesene, auf ihre inneren Schwingungen lauschende und sprachlich gewandte Mädchen / Frauen tun sich bei seiner Beschreibung schwer):
    diese eigenartige Mischung aus (verebbendem) Schmerz und dennoch großer erotischer Macht, erfüllter Geilheit, schamloser Freude, nachlassender Aufgewühltheit, befriedigter Erschöpfung, lasziver Trägheit, ausklingender Wollust, tiefer Dankbarkeit, verschwundener Angst, kraftvoller Weiblichkeit, leiser bis intensiver Genugtuung, stillem Glück und kuscheliger Geborgenheit, dann erst spürt sie die „ unendliche Zärtlichkeit des Augblicks “ [ © Kristina ], wie ein sinnliches Mädchen die beiden zuletzt erwähnten Teilbereiche dieses Phänomens einmal genannt hat ... Logo ? Kann mir wer folgen, das nachvollziehen? War das verständlich ? Nein .... - macht nichts ... Dennoch liebe Grüße an alle von ha

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    Feb. 2009 (Antwort auf eine private Frage):
    Jeder, der ein Piercing will, hat das Recht auf Betäubung, und jeder Piercer darf das ablehnen. Also von mir hättest du auch keine Betäubung gekriegt. Es ist in Austria dem Piercer die Betäubungsspritze ohnehin verboten, aber auch ohne diese Beschränkung wäre es nicht sinnvoll, denn:
    . die Spritze tut genauso weh wie der Piercingstich, den du 2 Sekunden herzhaft und dann ein bis zwei Minuten weit weniger unangenehm spürst;
    . die veränderte (manchmal unsymmetrische) Form der Körperstelle erschwert die genaue Applikation oft beträchtlich, eine anfangs gerade ausschauende Stichführung stellt sich schließlich als schief heraus;
    . beim Nachlassen der Wirkung wirst du durch eine weit länger als 2 Minuten dauernde Schmerzphase bestraft;
    . und der Heilungsbeginn verzögert sich bei Betäubung.
    Wenn du magst kannst du ja die andere Seite ohne Emla und Eisspray und solchen Mist montieren lassen (wirksam sind nur die grausliche Injektion und das in Austria verbotene Lidocain) und dann vergleichen.

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    Eisbeutel / KALTE UMSCHLÄGE bei Piercings * Eisspray (Juni 2006)

    Der Gebrauch von Eisbeuteln und kalten Kompressen in der Hoffnung, bei neuen Prellungen und Verstauchungen ein sich bildendes Hämatom (Bluterguß) möglichst klein zu halten bzw. zur Schmerzlinderung ist allgemein bekannt. Natürlich kommt es auch bei Stichverletzungen, wie sie beim Piercen unvermeidlich sind, zu mehr oder minder großen Schmerzen und Schwellungen und zu einer mitunter deutlichen Erwärmung der betreffenden Stelle - ist ja klar, denn AUCH jedes frische Piercing bewirkt eine geringfügige bis klar erkennbare Entzündung. (Ich sage das immer wieder, obwohl diese Tatsache von fast allen Lesern und vielen Piercern empört bestritten wird und ich dafür auch regelmäßig verbal verprügelt werde.) Es ist daher naheliegend, daß Zufuhr von Kälte auch für die Piercing- Nachpflege immer wieder empfohlen wird.
    Aber was passiert dabei wirklich? Und wieso kommt es vor, daß ein trauriger Piercingfreund (oder sonst ein Verletzter) enttäuscht und glaubhaft versichert, daß er den halben Tag und die folgende Nacht jede Stunde brav den warm gewordenen Umschlag gewechselt habe - doch besser geworden sei fast nichts!?

    Ich bitte Profimediziner um Nachsicht für die folgende vereinfachte Erklärung:
    Eine offene Wunde wird innerhalb der ersten 16 Stunden größer, weil die Makrophagen (wiederhole „Immunsystem“ - ) vom gesunden Gewebe auch ein bißchen wegfressen. Sie machen eine Proteinanalyse / Oberflächenstrukturanalyse um sich zu orientieren, bevor sie Gegenmaßnahmen einleiten; sie schicken Botenstoffe aus, der Körper macht dann eine Schwellung und sondert Sekret (Körperflüssigkeit - siehe „Exsudat“, ebenfalls „Immunsystem“) ab, damit die Makrophagen gut „hinschwimmen“ und genau analysieren können, bevor sie den „Großangriff“ starten und damit die Heilung einleiten. Ein Eisbeutel auf der betroffenen Körperstelle verhindert das jedoch.

    Natürlich tut es aber mit Kühlung vorerst weniger weh. Warum eigentlich?
    Durch die gate- control („Eingangstor“ ins Gehirn) kommen die durch das Piercen (bzw. die durch die nachfolgende Schwellung) ausgelösten Schmerzreize in den Kopf. Durch den Eisbeutel gelangen aber nicht nur Schmerzsignale ins Gehirn, sondern auch Kältereize. Weil der Durchmesser des Türls aber gleich bleibt und die Schmerzimpulse sich den Eingang „teilen müssen“, ist der Schmerz eben weniger spürbar. Das funktioniert natürlich auch anders, z.B. (beim Getroffenwerden durch einen zurückschnellenden Zweig bei der Gartenarbeit) mit Hilfe zusätzlicher Reize durch Druckausübung oder D´rüberstreichen über die betroffene Körperstelle. Beim Zungenpiercing ist diese Hilfe verständlicherweise nicht zweckmäßig. Daher steht in der Pflegeanleitung für das ZP (Salbeitee-)Eiswürfel nur eine Minute lutschen - das ist ein guter Kompromiß, und nachher können die Makrophagen ihre Arbeit fortsetzen.

    Kommentar von Stormchaser (Rechtschreibung und Syntax korrigiert):
    Guter Artikel, aber ungenau (Wirkungsbeschreibung). Warum reagiert überhaupt das Immunsystem auf eine Wunde? Die zerstörten, zerschnittenen oder zerrissenen Zellen machen das Problem; Zellbestandteile, die auf einmal so frei herumschwimmen, werden vom Körper als Problemstelle (Ursachen: Verletzung oder Infektion) erkannt, das Immunsytem reagiert automatisch, eliminiert ausserdem die tatsächlich biochemiestörenden Bruchstücke. Warum wirkt Eis nun schmerzlindernd? Nicht die sich blockierende Reizleitung ist der Grund, nicht die Signalverarbeitung, sondern die Reizleitung selbst > Kälte blockiert die Biochemie der Nerven. Daher kommt es gar nicht erst zum Schmerzreiz - bzw. er ist stark reduziert. Ausserdem mindert Kälte durch rasche lokale Reaktion (Gefässe verengen sich, um den Wärmeverlust vom Körperinneren her zu verringern) gegen die verstärkte Durchblutung die Entzündung. Gegen eine entzündliche Überreaktion wirkt also Kälte - die stumpfe Stossbelastung ist ein wunderbares Beispiel, dass ein Zuviel an Entzündung und Durchblutung der Verletzung diese (in Form des Blutergusses, der ja erst abgebaut werden muss!) verschlimmert.
    Nie aber wird am Fussballplatz eine offene Wunde vereist, dort hilft Durchblutung und Schwellung diese zu reinigen und rascher zu heilen. Vor dem Piercen stark abzukühlen ist sicher sinnvoll - der Schmerzreiz wird gar nicht erst übertragen. Kennt doch jeder: die kalte, klamme Hand im Winter, nichts tut weh, auch der Kälte- Reiz erreicht schon lange nicht mehr den Kopf; der Schnee auf der Haut schmilzt kaum mehr, die Temperatur der Hand ist einstellig. Entsprechend lahm fallen die Bewegungen aus, und dann rutscht man aus, stützt sich ab, roffelt über den Boden und spürt nichts. Auf einmal tropft es aus einer schönen Schürfwunde. Reiz (Schmerz) erst nach Erwärmung wieder.
    Beim Heilen einer Wunde ist jedoch Kälte Blödsinn, genauso wie beim Heilen vieler anderer lästiger Entzündungen, die dem Körper einiges abverlangen. Nicht Kälte, sondern Hitze reinigt die eitrige Wunde; nicht Kälte, Hitze hilft gegen den schmerzenden Rücken. Denn dort die Durchblutung zu verringern wäre genau falsch. Grüsse Herfried

    EISSPRAY:
    Es ist ein Unterschied, ob er auf dem Fußballfeld bei einer Verstauchung (geschlossene Verletzung!) oder an einer demnächst zu stechenden Körperstelle verwendet wird. Die Vereisung wirkt nicht nur oberflächlich - auch tieferen Prellungen wird der Schmerz genommen (allerdings schließt das nicht immer zwingend eine zuweilen später doch folgende Entzündung aus!).
    Für den Kopfbereich ist Eisspray nicht gedacht (Gebrauchsinformation!), für die Schleimhaut auch nicht. Der Placeboeffekt fällt (im Gegensatz zum mit kaltem Wasser Betupfen) weg - es betäubt wirklich.
    Allerdings ist das Risiko einer Erfrierung, die im schlimmsten Falle eine zeitweilige Taubheit an der Stelle auslöst, durchaus möglich - vor allem bei reichlichem Gebrauch. Es werden minus 25 bis 30 Grad erzeugt, einige Hautpartikel können abfrieren und beim Stechen in die Wunde gelangen. Die Chance steigt, daß es eine stärkere als ohnehin unvermeidbare Entzündung wird (oder daß die Wahrscheinlichkeit steigt, daß die Entzündung zur Infektion wird, wenn krankmachende Keime / abgestorbenes nekrotisches Gewebe in den Stichkanal gelangt).
    Durch den Spray wird die Haut verändert, das Piercing kann nach dem Stechen und der Abkühlung schief sitzen - wäre nicht zu empfehlen, da sich z.B. die Brustwarze anders zusammenzieht.
    Eine unangenehmer Tausch für die 2 oder 3 Sekunden des weniger gespürten Stiches ist, daß NACHHER das Piercing noch viel mehr weh tut. Jedenfalls wird sozusagen „durch ein Stück gefrorenes Fleisch“ gestochen und das Gewebe, welches sich durch die Kälte gut zusammengezogen hat, wird nur unnötig mehr verletzt - der Schmerz dann beim Nachlassen der Wirkung umso fieser .
    Manche Piercer sprühen nicht nur wild in der Gegend herum, sondern auf einen Tupfer und drücken diesen dann mehr oder weniger gefühlvoll auf. Wenn der Piercer die Vereisung nicht wirklich beherrscht, wirkt sie nicht oder richtet sogar Schaden an.

    / / / Zwei abseits des Piercens ergänzende Texte:
    Harald Bresser, Hautarzt, München ( http://www.drbresser.de/cms/Kryotherapie.480.0.html )
    K R Y O T H E R A P I E
    Kryotherapie oder Kryochirurgie ist der medizinische Ausdruck für Vereisungsbehandlung. Hierbei wird durch Kälteanwendung krankes Hautgewebe entfernt und bei der Heilung durch gesunde Haut ersetzt. Während der Behandlung wird die Haut in wenigen Sekunden auf sehr niedrige Temperaturen abgekühlt - also "eingefroren". Das Wasser der Hautzellen friert; krankes Gewebe geht durch den Kälteschock zugrunde. Dieses Einfrieren wird durch Aufsprühen von Flüssigstickstoff, oder durch Berührung mit abgekühlten Metallsonden oder Wattebäuschen erreicht. Die ausreichende Tiefe und Ausdehnung der Vereisung können wir an der Reaktion und Färbung der vereisten Haut erkennen; im Sonderfall muß mit einer Temperaturmeßnadel gemessen werden.
    "Welche Krankheiten lassen sich mit Kryotherapie behandeln?"
    Fast alle oberflächlichen Hautkrankheiten lassen sich damit behandeln. Sehr gute Ergebnisse können erzielt werden bei Warzen, Narbenwülsten (Keloide), gutartigen Pigmentflecken, aber auch bei bestimmten Krebsformen der Haut. Ein Behandlungsversuch lohnt sich auch bei sogenannten Fibromen, Juck-Knoten, Fettanhängseln, Altersflecken, Hautparasiten.
    "Welche Vorteile hat die Vereisungsbehandlung?"
    Die Behandlung kann ambulant in meist nur einer einzigen Sitzung durchgeführt werden. Infektionen sind selten, die Wundverbände einfach. Viele kleine Hautveränderungen können in einer Sitzung entfernt werden. Eine örtliche Betäubung ist selten erforderlich, es blutet fast nie. Es entstehen meist relativ schöne Narben. Die Behandlung kann wiederholt werden.
    Mögliche Nebenwirkungen:
    Während der Vereisung und beim Auftauvorgang tritt ein Stechen auf, welches nach 1 - 2 Minuten wieder verschwindet. Bei Kindern und bei manchen tiefen Vereisungen beim Erwachsenen ist daher eine örtliche Betäubung erforderlich. Regelmäßig muß man durch die Vereisung mit einer teilweise starken Rötung und Schwellung rechnen. Nach 1 - 2 Tagen kann sich eine Wasser- oder Blutblase ausbilden. Diese Blase kann aufplatzen und reichlich Gewebeflüssigkeit absondern. All dies ist völlig normal und zeigt die gewünschte Gewebszerstörung an. Wundinfektionen sind sehr selten. Eine kleine Blase sollte mit einem Pflaster bedeckt werden, große Blasen kann man mit einem sterilen Instrument (z.B. ausgeglühte Nadel) aufstechen. Anschließend täglich mit antiseptischer Salbe abdecken. Nach 1 - 2 Wochen fällt das vereiste kranke Gewebe von selbst ab. Die Wunde verkrustet. Bei Vereisungen im Gesicht kann für einige Tage eine starke aber harmlose Gewebsschwellung um die Augen beobachtet werden. Etwa nach 3 - 4 Wochen ist die Heilung der Hautwunde abgeschlossen. Lediglich nach der Behandlung von sehr tiefen Tumoren kann die Heilung noch länger daueren. In der ersten Zeit nach der Heilung bemerkt man eine zarte, helle Narbe. Diese Narben passen sich aber später sehr oft noch ganz der umgebenden Haut an und fallen dann nicht mehr auf. Eine überschießende, warzige Narbenwucherung nach 2 - 4 Wochen ist kein Zeichen für eine ungenügende Behandlung. Sie vergeht von selbst oder kann leicht von uns mit der Pinzette entfernt werden.
    Auch bösartige Tumore können durch Vereisung geheilt werden. Dabei muß jedoch zuvor durch eine Probeentnahme eines kleinen Hautstückes die Art des Tumors gesichert werden. Die Kryochirurgie von Tumoren hat viele Vorteile gegenüber anderen Operationsverfahren. Sie ist bei richtiger Anwendung genauso sicher, ohne daß Sie ins Krankenhaus gehen müssen. Bösartige Tumoren müssen besonders lange und gründlich vereist werden, um sie ganz auszurotten. Daraus folgt, daß die entstehende Wunde besonders groß, geschwollen und nässend sein wird. Nach ca. 10 - 14 Tagen sollte sich eine harte, schwärzliche, festhaftende Kruste ausgebildet haben. Diese Kruste löst sich spontan nach ca. 1 - 4 Wochen (gelegentlich länger). Schmerzen nach der Tumorbehandlung können mit 1 - 2 Tabletten Paracetamol (alle 4 - 6 Stunden) beherrscht werden. Sollte sich nach einiger Zeit an der behandelten eine neue Hautveränderung zeigen, so sollten Sie sofort wieder zur Kontrolle zu uns kommen.
    Wechseln Sie nach dem Vereisen täglich das Pflaster über der Wunde. Halten Sie die Wunde trocken und sauber. Vermeiden Sie starke Dehn- und Druckbelastungen des vereisten Gebietes. Bei jeder beunruhigenden Veränderung der Wunde sollten
    Sie sich sofort bei uns zur Kontrolle vorstellen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kryotherapie
    Als Kryotherapie bezeichnet man den gezielten Einsatz von Kälte, um einen therapeutischen Effekt zu bewirken. Dabei wird die lokale Anwendung von Gefriertechniken von der generalisierten Kältebehandlung des ganzen Körpers unterschieden.
    Als lokales Verfahren, auch Kryochirurgie bezeichnet, kommen Gefriertechniken zum Einsatz, um eine Zerstörung krankhaft veränderter Gewebe zu erreichen. Man unterscheidet geschlossene Verfahren, bei denen eine Kältesonde von außen mit dem Gewebe in Kontakt gebracht wird, von offenen Verfahrensweisen, bei denen Kühlmittel direkt ins Gewebe eingebracht werden (häufig flüssiger Stickstoff bei -196 °C). Der Arbeitsbereich liegt bei -70 °C bis -200 °C. Derartige Verfahren werden in der Dermatologie angewandt, um Tumoren, Warzen (Viruspapillome), überschießendes Narbengewebe (Keloid) und verschiedene andere Geweberkrankungen zu entfernen. Darüber hinaus findet die Kryochirurige auch bei interventionellen Therapieverfahren von anderen Tumoren Anwendung, wie etwa zur Therapie von Lebermetastasen sowie eventuell bei Lungen- oder Prostatatumoren.
    Bei der generalisierten Anwendung der Kälte in einer Kältekammer wird ein Patient für wenige Minuten einer Temperatur von etwa -110 °C ausgesetzt. Dadurch sollen Stoffwechselvorgänge auf Zellebene beeinflusst werden. Als Anwendungsgebiete wird eine Vielzahl von Erkrankungen angegeben, insbesondere der Gruppe der rheumatischen Erkrankungen, jedoch auch aus dem psychiatrischen Bereich. Die Wirkung der Methode ist umstritten, trotz verschiedener positiver Untersuchungen liegen keine ausführlichen Studien vor.
    Neben diesen Verfahren kommt die Anwendung von Kälte in vielen anderen Gebieten der Medizin zum Einsatz, etwa der physikalischen Therapie, Schmerztherapie sowie intensivmedizinischen Verfahren wie der therapeutischen Hypothermie. Diese arbeiten jedoch mit weitaus geringerer Kälte. / / /

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    Bitte einmal Vollnarkose!
    http://www.vampiercing.de/Infos/Betaubung_/betaubung_.html („link“ von Tessa666 geboten; leicht gekürzt, sprachliche Fehler bereinigt)

    Mit diesem Wunschgedanken kommen immer wieder Kunden in mein Piercing-Studio. Viele würden vor lauter Angst am liebsten nach den ersten paar Minuten ihre Meinung ändern und das Studio ohne Piercing auf dem schnellsten Wege verlassen. Wenn da nicht die Freunde wären! Wie soll man den Bekannten erklären, daß man jetzt doch kein Piercing hat und wie begeistert sind die Freunde, die man zum „Händchen halten“ mitgeschliffen hat und die jetzt unverrichteter Dinge wieder mit nach Hause fahren können?
    Daher stehen oft auf der anderen Seite der Theke Kunden, die bereits vor dem Piercen „Bleichgesichter“ sind. Der Schweiß steht ihnen auf der Stirn, und die Hände sind eiskalt. Wenn sie überhaupt noch fähig sind etwas zu fragen, dann kommt meist: “Aber eine Betäubung bekomme ich schon?” Und dann die unverhoffte und unerwünschte Antwort der Piercerin: “NEIN!” - das gibt vielen den Rest.
    Ich versuche daher den Kunden zu erklären, daß eine Betäubung viele Nachteile hat. Beim Arzt bekommt man beim Blut abnehmen ja auch keine Betäubung, und trotzdem ist noch keiner an den Schmerzen gestorben. Ob ich die Haut ansteche oder durchsteche, macht vom Schmerz her nicht viel Unterschied. Das Schmerzempfinden ist sicherlich von vielen Faktoren abhängig, z.B. von der Person, der Stelle, Angst durch negative Vorerfahrung, Angst durch Beeinflussung ...
    Es gibt mehrere Arten der Betäubung, wobei ich im nachfolgenden auf 3 Arten eingehen möchte.

    1. Betäubungsspritze: sie darf nur von ausgebildetem Personal (Arzt, Krankenschwester, Heilpraktiker) gesetzt werden. Wer kann behaupten, daß das Piercen ohne Betäubung schmerzhafter ist, wenn er es ohne Betäubung gar nicht kennt?
    . Ist es nicht paradox sich mit einer Nadel (Spritze) stechen zu lassen, um einen weiteren Stich nicht zu spüren? Ob mit oder ohne Betäubung hat man am Schluß jeweils ersten Stich gespürt!
    . Das Betäubungsmittel besteht aus ein paar ml Flüssigkeit, die die zu piercende Hautregion aufschwemmt. Der Ein-und Ausstich (vor allem beim Nabel) kann nach dem Abschwellen schräg sein.
    . Der total verängstigte Kunde muß oft etliche Minuten warten, bis das Betäubungsmittel überhaupt wirkt. Wobei ich von einer Kundin - die beim ersten Mal bei einer Ärztin war - weiß, daß bei ihr auf Grund von Zeitdruck die Betäubung noch nicht gewirkt hatte.
    . Ärzte haben auf Grund der Betäubung meist eine andere Piercing Technik. Es wird selten die zu stechende Stelle markiert und mit einer Klemme fixiert, sondern die Nadel einfach durch das betäubte Gewebe geschoben, was häufig schiefe und fehlplazierte Piercings zur Folge hat. (Diese Aussage hat sich die Verfasserin nicht ausgedacht, sondern auf Nachfrage von Kunden erfahren, die schon einmal bei einem Arzt zum Piercen waren).
    . Wie jeder Zahnarztkunde weiß, kommen die Schmerzen um so stärker, wenn die Betäubung nachläßt.

    2. Eisspray / Lidocainspray: können von jedem angewandt werden. Auf den Eisspray`s ist oft zu lesen: “Nicht einatmen!”. Wie sinnvoll ist es dann, den aufgetragenen Spray durch den Nadelstich in den frischen Stichkanal zu bringen?
    . Die Spray`s haben einen weiten Sprühradius. Dies kann bei Augenbrauenpiercings zu unangenehmen Treffern ins Auge führen.
    . Es ist stark anzuzweifeln, ob Eisspray`s beim Piercen tatsächlich den Schmerz lindern. Bei Kälte zieht sich die Haut zusammen und wird straffer / härter (z.B. Brust). Stecht doch mal mit einer Nadel durch ein gefrorenes Stück Fleisch und zum Vergleich in ein aufgetautes! Ihr werdet merken, wo man mehr Druck benötigt um die Nadel durchzustechen. Den stärkeren Druck merkt auch der Kunde, womit man wieder beim gleichen Ergebnis ist wie ohne Kältespray.
    . Lidocainsprays sind wie Kältesprays, jedoch für Schleimhäute. Wenn man sie benutzt, jammern die Kunden meist über den widerlichen Geschmack. Bei Zungenpiercings werden die Speiseröhre und Lippen unweigerlich mit betäubt. Wer dies kennt weiß genau, was für ein ätzendes Gefühl das ist, und über den Nutzen läßt sich streiten.
    . Lidocainspray`s im Genitalbereich? Viele von Euch haben bestimmt als Kind bei Erkrankungen „Wick vaporup“ auf die Brust bekommen (diese Salbe mit dem Wärmeeffekt). Dieses Gefühl habt ihr auch bei Lidocain im Genitalbereich.

    3. Betäubungssalbe (z.B. „Emla-Salbe 5g“ aus der Apotheke): kann von jedem angewandt werden, hat teilweise die gleichen Nachteile wie unter 1. und 2. aufgeführt.
    . Die Salbe benötigt mindestens (!) eine halbe Stunde, um sinnvoll zu wirken. Hoffentlich ist der Kunde bis dahin nicht komplett in Ohnmacht gefallen!
    . Ein Lösung wäre, daß sich der Kunde schon vorab zum Einwirken die Salbe zu Hause aufträgt.

    Leider habe ich fast nur Nachteile auflisten können, da mir kaum Vorteile bekannt sind. Der einzige Vorteil von Betäubungen ist, daß dem Kunden die Angst - nicht der Schmerz - vor dem Piercen genommen wird. Dies kann ein guter Piercer aber auch auf anderem Weg erreichen, indem er dem Kunden ein Gefühl von Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit vermittelt sowie sauber, präzise und schnell arbeitet. Denn nicht nur die positive psychische Einstellung des Kunden, sondern auch die Technik kann beim Piercen schmerzmindernd wirken.
    Ein kleiner Denkanstoß bezüglich Ärzte: Wie soll jemand einem anderen die Angst vor dem Piercen nehmen können, wenn er selbst keine Piercings hat? (Anmerkungen von Hans: dieses Argument ist nicht sattelfest; und Eisspray betäubt tatsächlich > kein Placeboffekt.)

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    zu E M L A :
    http://www.tattooscout.de/component/option,com_forum/Itemid,44/page,viewtopic/t,7951/highlight,emla/
    von Cee-Kay-Tattoo: PAT Betäubungssalbe verboten, vom 24. Okt. 2007
    (Anmerkung: Text leicht gekürzt / verändert / sprachlich korrigiert.)
    Vor einiger Zeit wurde hier schon über Sinn und Unsinn einer Betäubungssalbe diskutiert. ( http://www.tattooscout.de/component/option,com_forum/Itemid,43/page,viewtopic/t,6604/ )
    Auf Einwände und Bedenken wurde vom Hersteller der Salbe mit Zweit- und Dritt-kommentaren nur mit Überheblichkeit und Häme reagiert.
    Weil das Zeug richtig gefährlich ist und der Hersteller mit einer Ignoranz hier auftrat, die schon fast kriminell ist, wurden die zuständigen Behörden eingeschaltet, um eine Rechtmäßigkeit und Unbedenklichkeit der Salbe zu prüfen.
    Fazit: die Herstellung der Salbe und der Vertrieb wurden der Apotheke und dem „Projekt Art Tattoostudio“ sofort untersagt.
    Den ganzen Bericht hierzu könnt Ihr unter www.bodyartist-online.de nachlesen.
    Marion und ich haben lange diskutiert, ob wir so einen Schritt wagen sollen, da wir auch öffentlich die Werbung in einem großen Tätowiermagazin angeprangert haben. Wir sind hier in eine Sache vorgestoßen, in der es um viel Geld und Ansehen geht. Das sowas möglicherweise nicht ohne Folgen abgeht, ist uns klar.
    Es kann aber nicht angehen, daß aufgrund des Tattoohypes findige Geschäftsleute mit unseriösen Angeboten versuchen, sich ein Stück vom Kuchen abzuschneiden - und das auf Kosten der Tätowierer und Kunden!
    Nach den ersten kritischen Zeilen ... haben sich ein paar Studios an uns gewandt, um näheres zu erfahren. Sie wollten aber unter keinen Umständen an der weiteren Vorgehensweise beteiligt sein oder namentlich genannt werden, da sie mögliche Folgen fürchten. Die Tattooszene in sich ist nicht zimperlich, und in Zeiten des Medienansturmes auf die ganze Tätowiererei kann die Reputation eines Studios in den Himmel gehoben oder auch zerstört werden.
    Uns ist dieser Aspekt nicht egal, aber jemand muß anfangen, Dinge zu hinterfragen und mögliche Mißstände öffentlich aufzuzeigen. Ich lehne mich jetzt noch weiter aus dem Fenster und frage mich, wie kann in Printmagazinen scheinbar komplett ohne Recherche für so eine Salbe eine Empfehlung ausgesprochen werden, obwohl es nur einen Anruf beim Apothekerverband gekostet hätte, um sich über die Rechtmäßigkeit einer 25 prozentigen Lidocainlösung zu informieren. Hier ... ist dieser Mißstand sofort erkannt worden - und das von Leuten, die sich mit dem Thema in ihrer Freizeit beschäftigen.
    Wo sind in so einem Fall all die lauthals schreienden Tätowierorganisationen, die sich auf die Fahne geschrieben haben, die Belange der Tätowierer zu vertreten und Kunden konkrete Empfehlungen auszusprechen?
    Wann sieht dieser Staat endlich ein, daß eine Anerkennung der Tätowier- und Piercingausbildung mit zusätzlicher medizinischer Ausbildung dringend nötig ist, z. B. damit es nicht aufgrund von vermeidbaren Nebenwirkungen einer Betäubungssalbe erst einen Toten geben müßte, damit jemand reagiert!?

    zu L I D O C A I N :

    Vorbemerkung:
    Lidocain ist ein Mittel zur Schmerzvermeidung / Schmerzlinderung. In Form des Betäubungssprays wird es (nicht nur von Piercern) gerne verwendet.
    Für die wenigen Leser, die es allerdings genauer interessiert, sind die folgenden Zeilen bestimmt; ich habe keine wesentliche Aussage weggelassen. Die Nebenbemerkung der Autorin (die auch meine Theorie- Prüferin im medizinischen Teilbereich war) läßt zwei Auslegungen zu: sie hat keine gute Meinung über die Kanditaten, oder sie gilt als besonders streng. Na ja, vielleicht auch beides ... Aber die Vorbereitung auf ihre Prüfung hat mir doch viel gebracht. (Die freiwillige Weiterbildung ein Jahr später auch.)
    Ich gehe nun auf keine näheren fachlichen Erklärungen ein, nur drei sprachliche Begriffe aus ihrer Begründung erwähne ich:
    Prophylaxe = Krankheitsverhütung, Vorbeugung.
    conditio sine qua non = eine Voraussetzung, ohne welche gar nichts geht > eine unverzichtbare Bedingung, die erfüllt sein muß, damit etwas (eine Verhandlung, ein Vertrag, eine Behandlung ...) überhaupt beginnen kann.
    adäquat: angemessen, wie es die Situation verlangt, entsprechend.

    x x x x x x x x x x

    Stellungnahme zu einer Diskussion zwischen den österreichischen Apothekern und der Bundesinnung zur Verwendung von

    EMLA 5% Creme (Inhaltsstoffe Prilocain und Lidocain) und XYLOCAIN lokal
    (lnhaltsstoff Lidocain):

    1) Lidocain blockiert an der Herzmuskelzelle die für die Auslösung des Aktionspotentiales verantwortlichen schnellen Natriumkanäle und verkürzt die Repolarisationsdauer.
    2) Es kann zu einem totalen AV- Block und damit zu einem Herzstillstand führen.
    3) Es ist arrhytmogen und wird auch als solches Medikament in der Kardiologie eingesetzt..
    4) Es kann zu schwersten anaphylaktischen Reaktionen inkl Quinke- Ödem, Flush etc. führen.
    5) Lidocain in der Hand von medizinischen Laien ... kann (trotz ärztlicher Verordnung) zum Tod der Kundschaft führen.
    Permanent Makeup - Ausübende,Tätowierer und Piercer besitzen nicht genug medizinische Grundkenntnisse und Erste Hilfe- Ausbildungen, um mit diesem medizinischen Notfall adäquat umgehen zu können.
    (Anmerkung: bei den Befähigungsprüfungen sind oft nicht einmal die wichtigsten Erste- Hilfe- Grundkenntnisse vorhanden!!)

    (( Stellungnahme zu einem anderen Problem:
    Bezugnehmend auf die Frage Virostatika und Lippen- Permanent- Makeup:
    Die Durchseuchung mit Herpes simplex- Viren in der Bevölkerung beträgt 98 %. Die Mehrzahl der Kundinnen entwickelt nach einem Lippen- Permanent- Makeup Lippenherpes ( > das Permanent- Makeup hält nicht, es entstehen Verkrustungen und häßliche Narben).
    Deshalb ist eine Prophylaxe mit z.B. Valtrex 500 mg 2 x 1 für 5 Tage vor Beginn des Lippen- Permanent- Makeups eine conditio sine qua non. ))

    x x x x x x x x x x

    Ich habe meinen Hausarzt, einen Dermatologen und den prüfenden Arzt in St. Pölten 2005 dazu befragt: also, um die wortreichen Erläuterungen kurz zu fassen: “normalerweise“ ... und so weiter, aber völlig auszuschließen sei es natürlich doch nicht ...
    Es ist wohl so wie eine durch ein Piercing hervorgerufene Sepsis: sehr unwahrscheinlich und äußerst selten. Ich selbst kenne keinen Fall, und mir ist auch kein Piercer bekannt, dem so eine Entwicklung untergekommen ist. Und dennoch: mir hat unlängst ein Austria- Mädel glaubhaft berichtet, daß nach der Montage eines Ringes zwischen zwei Fingern lange nach dem Stechen nach immer stärker werdenden Schmerzen nur durch eine komplizierte Operation und (eine Woche!) Spitalsaufenthalt mit intensiver täglicher Behandlung die Hand gerettet werden konnte.
    Bei einem Conch- Piercing soll es, auf´s Ohr übertragen, ähnlich abgelaufen sein ... Da hat sich eine Entzündung offensichtlich auch zu einer MASSIVEN Infektion gewandelt, für die der Piercer so viele Monate nach der Erstapplikation nichts kann.
    Zurück zum Lidocain. Weil ich Betäubungen, so wie es in Austria vorgesehen ist, grundsätzlich ebenfalls ablehne (außer vielleicht mal ein Placebo) und Leute, die darauf bestehen, weiterschicke, habe ich mit dieser österreichischen Bestimmung kein Problem.
    Viel Freude durch nie ernsthaft zickende Piercings während und nach der Abheilphase wünscht allen ha.

    QUELLEN:
    Unterlagen zur österreichischen Piercingprüfung (medizinischer Teilbereich, St.Pölten / Niederösterreich, Herbst 2005):
    Dr. C. Steffal, Wien, Juli 2003: "Verwendung von Emla und Lidocain“.

    Ergänzende Infos aus dem web:
    http://www.bdsoft.de/rettungsdienst/index.htm?/rettungsdienst/medikamente/antiarrhythmika/lidocain.htm

    http://de.wikipedia.org/wiki/Lidocain

    http://www.schmerznetz.at/TherapeutikaLidocain.phtml?PHPSESSID=0d5b9d03aba5c64ce637f03ada

    http://www.vetpharm.unizh.ch/WIR/00000013/7586__F.htm

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